Gedanken zu Testverfahren bei Kameras und Software

Take photo by Colorburn

Ich habe heute über drei Stunden damit zugebracht, einen schönen Filter auf einem Android Handy auf einem Iphone nachzuahmen.

Der Filter heisst Hipsta analog bei Android und ist so nirgends bei Iphone Apps zu finden.

Na ja, es ist mir dann gelungen, nachdem ich einige Apps ausprobiert habe.

Dabei fiel mir auf, wie viele Apps es gibt und vor allem, wie die Preise explodiert sind.

Eine Filterapp für 20 Euro für dauerhafte Benutzung war schon früher anspruchsvoll, aber jetzt wollen die meisten 20 bis über 60 Euro pro Jahr als Abo !!!

Der größte Reinfall waren dabei für mich moldiv und picsart.

Das ist aus meiner Sicht eine echte Unverschämtheit.

Ob man damit im App-Store oder bei google play glücklich wird, wage ich zu bezweifeln.

Denn letztlich wird dann eher Google mit dem kostenfreien Snapseed, das auf Grundlage der eingekauften NikCollection entstanden ist, das Feld als Sieger verlassen, weil diese Software zum Besten gehört, was echte schnelle Bildbearbeitung angeht und sie auf IOS und Android verfügbar ist.

Für Geld müßte ich ja mehr und andere echte Alleinstellungsmerkmale erhalten statt weniger. Diese Apps gibt es und die waren bisher mit Einmalpreisen zwischen 4 und 20 Euro auch eine gute Wahl.

Nun gut.

Aber das ist nur ein Bereich meiner Gedanken.

Denn ich habe mir die Frage gestellt, wer blickt da überhaupt noch durch und wer kann noch beurteilen, welche Qualität eine Software hat?

Dabei meine ich nur die Anwendungsmöglichkeiten, nicht den Datenschutz.

Ich arbeite seit Jahren mit ACDsee auf dem PC und mit Exposure Software auf dem Mac. Allein mit diesen beiden Fotoprogrammen einigermaßen zurecht zu kommen, erfordert von mir Tage mit Einarbeitung und Einüben, wenn es mehr sein soll als Runterladen und Anklicken und Abspeichern.

Und wenn ich dann Testergebnisse lese, dann ist dies eigentlich nur noch ein Abfragen von einigen Fotofunktionen im Vergleich und dann wird ein Urteil gefällt.

Das ist meiner Meinung nach ein sehr schwacher Test und das wird meistens der Software nicht gerecht.

Es gibt eigentlich kaum noch Tester, die Software wirklich testen, wahrscheinlich weil es wirklich zeitaufwendig ist und man damit kaum etwas verdienen kann und wer von den Testerinnen und Testern kann das denn auch?

Warum sollte man es dann tun?

Und nun auch noch Apps auf Smartphones und Iphones?

Ich zumindest habe es mit dem heutigen Tag aufgegeben, mich länger mit Apps zu beschäftigen.

Mein kreativer Zufallskönig ist auf dem Iphone Hipstamatic. Das ist analoges Chaos mit Unterhaltungswert. Denn die Software hat nicht mal eine Suchfunktion oder eine Beschriftung für die Linsen und Filme. Aber ich bin mit ihr im Iphonereich groß geworden und lebe so mit diesem Chaos.

ACDsee gibt es auch für´s Iphone als Fotobrowser. Das bringt dann Ordnung in mein Denken. Aber im Grunde ist das Iphone seit der Mehrlinsentechnik eine eher unüberschaubare fotografische Veranstaltung geworden, bei der ich mich auf die Technik der Fotoapp verlassen muß.

Bei Android ist es ähnlich. Photo Studio Pro und Cameringo helfen mir auf diesen Geräten fotografisch zu überleben und sind nach einer fairen Einmalzahlung auch gut nutzbar.

Aber es gibt keine einzige ausführliche Darstellung dieser Apps, die mir google gezeigt hat. Was da unter “Test” angeboten wird, ist ungefähr so wie angebraten statt gar zu angetestet zu getestet.

Und es frißt alles Zeit. Man könnte nun einwenden, Millionen sitzen tagelang zu Hause und spielen online. Das stimmt, aber damit wollen wir uns doch nicht gemein machen.

Für mich zeigt dies aber, dass die meisten Menschen den Anforderungen und den Herausforderungen dieser Apps überhaupt nicht mehr gewachsen sind und auch digitale journalistische Angebote über das Faseln von Allgemeinheiten nicht mehr hinauskommen.

Die Welt ist flach, wie es so schön in einem Buch hieß.

Der Erfolg liegt dabei wahrscheinlich in der 5% Nutzung. Ich gehe davon aus, daß die meisten Nutzerinnen und Nutzer eben nur 5% der Möglichkeiten nutzen.

Bei Fotos Filter auswählen, anklicken und abspeichern. Die einzelne Bearbeitung mit Korn, Vignette und Bokeh am Smartphone oder Iphone ist schon eine kreative Herausforderung. Alles andere mit Layern etc…..

Am PC oder Mac ist es ebenfalls schwierig, aber diese Programme und die Größe der Monitore ermöglichen mehr als Fingerfarbenmalerei.

Umgekehrt gibt es ja die Fingerfarben-Apps, die für Jahresabos die schnelle Lösung versprechen. Aber das Erlernen der Fingernutzung auf dem Display ist genau so schwierig wie das Üben mit PC Software.

Man sieht nur weniger.

Und die Abos sind ja im Verhältnis noch teurer. Da ist Adobe ja noch billig gegen! Ich hätte für einige Programme mit Filter, Eraser und Co. im Jahr zusammen über 300 Euro zahlen müssen – und das auf dem Smartphone!

Für mich ist dies alles nicht nachvollziehbar.

Was tun?

Am Besten möglichst wenig Geld ausgeben. Kostenlos ist nie umsonst, daher habe ich mir Apps gesucht, die laufen und überschaubar sind und auch fair bezahlt werden können.

Und weniger ist mehr. Von den fast unendlichen Möglichkeiten maximal fünf auf dem Smartphone lassen und damit immer wieder arbeiten.

Und dann?

Ich persönlich halte diese neue digitale Unübersichtlichkeit für ein Symbol der neuen Zeit. Es ist sehr unbefriedigend aber man muß sich ja damit arrangieren, weil man es nicht ändern kann.

Wenn ich nur alle Fotoapps mal runterladen und ausprobieren wollte, dann wäre ich Wochen oder Monate mit nichts anderem beschäftigt ohne letztlich irgendetwas zu erreichen.

Am Ende hat mir dies alles einen Erkenntnisgewinn gebracht.

Es gibt gute Software, die man aber erst erlernen muß, weil es keine Standards für Anwendung und Bedienung gibt. Das ist immer zeitaufwendig, wenn die Software anspruchsvoll ist oder man selbst mehr will als den schnellen Klick.

Hinzu kommt, daß es auch viel zu wenig gute Software gibt. Ist Adobe gut nur weil es viele nutzen? Für mich nicht aber so ist eben jeder anders.

Und daher höre ich an dieser Stelle auf, weil dies ein Artikel ist, der so ist, wie die Welt, die er beschreibt: unendlich groß aber man selbst nur mit endlicher Kraft.

So wird Einschränkung zum Gewinn.

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